Archiv für April 2014

[17.05.2014] Nationalismus ist keine Alternative! Aufmarsch der „Identitären“ verhindern!

identitäreaa
Na­tio­na­lis­mus ist keine Al­ter­na­ti­ve!
Gren­zen­lo­se So­li­da­ri­tät statt Troi­ka und ex­tre­me Rech­te!

Am 17.​05.​2014. wol­len die Kul­tur­ras­sis­t_in­nen der so­ge­nann­ten „Iden­ti­tä­ren Be­we­gung“ einen Auf­marsch durch Wien ab­hal­ten. We­ni­ge Tage vor der Wahl zum Eu­ro­päi­schen Par­la­ment soll unter dem Motto „Unser Eu­ro­pa ist nicht Ihre Union“ gegen Mi­gran­t_in­nen und Ge­flüch­te­te Stim­mung ge­macht und so in­di­rekt Wahl­wer­bung für rechts­ex­tre­me Par­tei­en wie die FPÖ be­trie­ben wer­den.

In ganz Eu­ro­pa brin­gen sich der­zeit rech­te Par­tei­en gegen die Eu­ro­päi­sche Union und den Euro in Stel­lung. Sie grei­fen den all­ge­gen­wär­ti­gen Unmut über die eu­ro­päi­sche Kri­sen­po­li­tik auf und pro­pa­gie­ren die Rück­be­sin­nung auf’s Na­tio­na­le. Na­tio­na­lis­mus als Al­ter­na­ti­ve zur au­to­ri­tä­ren EU-​Po­li­tik? Vie­len Dank, die­ses An­ge­bot wei­sen wir ent­schie­den zu­rück. Statt­des­sen rufen wir alle, die wie wir keine Lust auf na­tio­na­lis­ti­sche Aus­gren­zung und au­to­ri­tä­re Po­li­tik von oben haben, auf, vor der Eu­ro­pa­wahl am 25. Mai ein Zei­chen gegen Na­tio­na­lis­mus, Aus­te­ri­täts­po­li­tik und Wett­be­werbs­dik­tat zu set­zen und gegen den Vor­marsch der ex­tre­men Rech­ten aktiv zu wer­den. Für eine so­li­da­ri­sche Per­spek­ti­ve jen­seits na­tio­na­ler Gren­zen und ka­pi­ta­lis­ti­scher Ver­wer­tungs­zwän­ge!

Wenn die Iden­ti­tä­ren durch Wien lau­fen wol­len dann müs­sen sie ren­nen! Lasst uns ge­mein­sam den Na­zi­auf­marsch ver­hin­dern, blo­ckie­ren, un­mög­lich ma­chen!

Rechts­ex­trem, neo­na­zis­tisch, iden­ti­tär?

Ob hin­ter den Iden­ti­tä­ren wirk­lich eine neu­rech­te Ju­gend­be­we­gung steckt, wie es gerne dar­ge­stellt wird, ist mehr als zwei­fel­haft. Der fran­zö­si­sche Bloc iden­ti­taire und des­sen Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on Jeu­nes­ses iden­ti­taires gin­gen aus der an­ti­se­mi­ti­schen, an­ti­zio­nis­ti­schen und neo­na­zis­ti­schen Unité Ra­di­ca­le her­vor. Die Unité Ra­di­ca­le wurde am 06. Au­gust 2002 ver­bo­ten, nach­dem eines ihrer Mit­glie­der, der da­mals 25jäh­ri­ge Ma­xi­me Bru­ne­rie, am 14. Juli des­sel­ben Jah­res (dem fran­zö­si­schen Na­tio­nal­fei­er­tag) aus einem Ka­ra­bi­ner­ge­wehr auf Staats­prä­si­dent Jac­ques Chirac ge­schos­sen hatte. Die „Iden­ti­tä­ren“ bil­de­ten de facto die Nach­fol­ge­or­ga­ni­sa­tio­nen, ver­such­ten aber in den fol­gen­den Jah­ren, Kon­ti­nui­tä­ten zur Vor­läu­fer­ver­ei­ni­gung in viel­fa­cher Hin­sicht zu kap­pen. Nicht nur, um nicht selbst (unter dem Vor­wurf der Fort­füh­rung einer il­le­ga­len Or­ga­ni­sa­ti­on) ver­bo­ten zu wer­den, son­dern auch im tat­säch­li­chen Be­mü­hen um ideo­lo­gi­sche oder sym­bo­li­sche Er­neue­rung – um den ei­ge­nen Ein­fluss zu ver­grö­ßern. Auch in Ös­ter­reich sind die Ver­bin­dun­gen der „Iden­ti­tä­ren“ zum or­ga­ni­sier­ten rechts­ex­tre­men und neo­na­zis­ti­schen Spek­trum mehr als au­gen­schein­lich. Der Groß­teil der Wie­ner Iden­ti­tä­ren re­kru­tiert sich aus dem Bur­schen­schaf­ter­mi­lieu und aus dem or­ga­ni­sier­ten Neo­na­zi­s­pek­trum. So tum­mel­ten sich jet­zi­ge Mit­glie­der der Iden­ti­tä­ren vor nicht allzu lan­ger Zeit im Um­feld des Neo­na­zis Gott­fried Küs­sel, wie zum Bei­spiel Mar­tin Sell­ner, einer der Füh­ren­den Köpfe der „Iden­ti­tä­ren“. 2008 hielt er sich auf der Ge­denk­ver­an­stal­tung für den Na­zi­hel­den Wal­ter No­wot­ny we­ni­ge Schrit­te hin­ter Gott­fried Küs­sel (Ex-​VA­PO, al­pen-​do­nau.​info). 2010 reis­te er mit an­de­ren „Ost­mär­kern“ wie dem Olym­pen Se­bas­ti­an Plo­ner zum Na­zi­auf­marsch nach Dres­den. Nach den Re­pres­si­ons­schlä­gen gegen die ös­ter­rei­chi­sche Neo­na­zi­be­we­gung im Zu­sam­men­hang mit der Seite al­pen-​do­nau.​info, muss der in­halt­li­che und ideo­lo­gi­sche Schwenk der „Iden­ti­tä­ren“ vor allem als Stra­te­gie wahr­ge­nom­men wer­den und nicht als tat­säch­li­che Ab­kehr von rechts­ex­tre­men, ras­sis­ti­schen Po­si­tio­nen. Mit der Rede von der „Is­la­mi­sie­rung Eu­ro­pas“, von Hei­mat­ver­bun­den­heit und einem völ­kisch be­setz­ten Be­griff der “Iden­ti­tät“, der aber kul­tu­ra­lis­tisch um­schrie­ben wird, wird das Kon­zept des Eth­nop­lu­ra­lis­mus be­dient. An­stel­le des ver­pön­ten Wor­tes „Rasse“ tritt der Be­griff der Kul­tur – ge­meint ist damit aber der glei­che ras­sis­ti­sche Herr­schafts­an­spruch.

Mit „Kul­tur“ wird einer Masse von Men­schen ein in­di­vi­du­el­ler Cha­rak­ter zu­ge­schrie­ben, auf den alle Hand­lun­gen die­ser Grup­pe als Aus­druck eines be­stim­men­den, wi­der­spruchs­frei­en We­sens re­du­zier­bar sein sol­len. In der mit der Kul­tu­ra­li­sie­rung ein­her­ge­hen­den Na­tu­ra­li­sie­rung und Ver­ewi­gung so­zia­len Ver­hal­tens – dem „wir-“ oder „die sind halt so“ – liegt je­doch ge­ra­de ihre ka­pi­ta­lis­ti­sche Funk­ti­on. So­zia­le Kon­flik­te wer­den in kul­tu­rel­le um­ge­deu­tet. Die als Kul­tu­ren ge­gen­über­ge­stell­ten und als sol­che „re­spek­tier­ten“ ge­sell­schaft­li­chen Wi­der­sprü­che sind damit nicht mehr be­kämpf­bar, son­dern wer­den als kul­tu­rel­le Ei­gen­hei­ten an­ge­se­hen. Die An­ders­ar­tig­keit von Men­schen folgt nach die­ser Logik dann nicht mehr aus deren so­zia­ler Si­tua­ti­on, son­dern aus ihrem kul­tu­rel­len Hin­ter­grund.

Mit einem re­gres­si­ven An­ti­ka­pi­ta­lis­mus als Ant­wort auf die ka­pi­ta­lis­ti­sche Mo­der­ne wird gegen die EU und „Mul­ti­kul­ti“ Stim­mung ge­macht. Gerne spielt man sich hier als hel­den­haf­ter Rit­ter auf, der die Fes­tung Eu­ro­pa ge­gen­über dem „Frem­den­an­sturm“ ver­tei­digt.

Diese Vor­stel­lun­gen und Ideo­lo­gi­en fin­den sich auch in den rechts­ex­tre­men Par­tei­en wie­der, die sich für den Eu­ro­pa­wahl­kampf rüs­ten. Unter Fe­der­füh­rung der FPÖ wer­den Bünd­nis­se und Al­li­an­zen in­ner­halb der Eu­ro­päi­schen Rech­ten ge­schmie­det. Im Zei­chen eines mo­der­ni­sier­ten, nun kul­tu­rell be­grün­de­ten Na­tio­na­lis­mus wird ein Si­gnal für die Ver­ei­ni­gung der eu­ro­päi­schen, bzw. „christ­lich-​abend­län­di­schen“ Rech­ten – jen­seits der Neo­na­zi­sze­ne – ge­setzt.

Über­all das­sel­be
In Frank­reich ist es der FN, in Ös­ter­reich die FPÖ, in Groß­bri­tan­ni­en die UKIP und in Deutsch­land die AfD. So un­ter­schied­lich die rech­ten Par­tei­en in Eu­ro­pa auf den ers­ten Blick sind, ihnen allen ist eines ge­mein: Sie gren­zen sich ab von der Po­li­tik der Eu­ro­päi­schen Union und der eu­ro­päi­schen Re­gie­run­gen, denen sie vor­wer­fen, sich nicht um die „In­ter­es­sen des Volkes“ zu küm­mern. Als Al­ter­na­ti­ve ver­spre­chen sie die Be­vor­zu­gung des ei­ge­nen na­tio­na­len Kol­lek­tivs ge­gen­über dem Rest der Mensch­heit. Das kommt bei Vie­len gut an. Bei ge­naue­rer Be­trach­tung ent­puppt sich die­ses Ver­spre­chen je­doch als po­pu­lis­ti­scher Schach­zug. Denn für die ös­ter­rei­chi­sche Bun­des­re­gie­rung ist der na­tio­na­le Stand­ort­er­folg ge­nau­so Maß­stab aller Po­li­tik wie für die fran­zö­si­sche, die deut­sche oder die bri­ti­sche. Einen Un­ter­schied gibt es nur: Die ak­tu­el­le Bun­des­re­gie­rung ist be­reit, im Aus­tausch für Frei­han­del, Pri­va­ti­sie­rung, De­re­gu­lie­rung von Ar­beits­märk­ten und Dum­ping­wett­be­werb in ge­wis­sem Maße auch Grund­rech­te, wie z.B. (in­ner­halb der EU) die Rei­se-​ und Nie­der­las­sungs­frei­heit, zu ge­wäh­ren und be­stimm­te Ent­schei­dungs­kom­pe­ten­zen an die EU ab­zu­tre­ten. Wäh­rend­des­sen setzt die FPÖ, genau wie an­de­re eu­ro­päi­sche Rech­te, auf die kom­pro­miss­lo­se Ab­schot­tung des Na­tio­nal­staats. Sie will die Zeit zu­rück­dre­hen und wohl am liebs­ten -​ab­hän­gig vom je­wei­li­gen Flü­gel-​ den Schil­ling oder die Reichs­mark wie­der ein­füh­ren. Denn der ex­tre­men Rech­ten geht es we­ni­ger um die prag­ma­ti­sche Ver­wal­tung des Be­ste­hen­den als um na­tio­na­le Iden­ti­tät und die Si­mu­la­ti­on po­li­ti­scher Hand­lungs­fä­hig­keit. In­so­fern ist sie keine Al­ter­na­ti­ve, son­dern ein po­li­ti­sches Sym­ptom der Wi­der­sprü­che des eu­ro­päi­schen Ka­pi­ta­lis­mus.

Welt­markt­kon­kur­renz vs. na­tio­na­le Ab­schot­tung?
Die Wahl zwi­schen na­tio­na­ler Ab­schot­tung und Welt­markt­kon­kur­renz ist die zwi­schen Pest und Cho­le­ra. Was die eu­ro­päi­schen Rech­ten als Al­ter­na­ti­ve ver­kau­fen wol­len, ist keine. Denn dem eu­ro­päi­schen Kri­sen­re­gime, der Spar­po­li­tik, und dem Stand­ort­wett­be­werb set­zen sie die Rück­kehr zum Na­tio­nal­staat samt pa­tri­ar­cha­ler Klein­fa­mi­lie und au­to­ri­tä­rer Eli­ten­herr­schaft ent­ge­gen. Auf die sich ver­schlech­tern­de Le­bens­rea­li­tät vie­ler Men­schen in Eu­ro­pa ant­wor­ten die ag­gres­siv ge­wor­de­nen Klein­bür­ger_in­nen mit den Gar­ten­zwerg­träu­men na­tio­na­ler Enge. Diese rich­ten sich letzt­end­lich immer gegen alle und alles, was den „na­tio­na­len In­ter­es­sen“ an­geb­lich nicht dient: „Plei­te-​Grie­chen“, „Ar­muts­ein­wan­de­rer“, „Ost­ban­den und Bet­tel­ma­fia“, „die Ho­mo­se­xu­el­len-​Lob­by“, die „Ost­küs­te“ usw. usf. . Doch wenn wir vor­schla­gen, die FPÖ vor der Eu­ro­pa­wahl aufs an­ti­fa­schis­ti­sche Korn zu neh­men, dann nicht des­halb, weil es sich bei ihr durch­gän­gig um Old­school-​Na­zis han­delt. Im Ge­gen­satz zu an­de­ren „rechts­po­pu­lis­ti­schen“ Par­tei­en wie der AfD, die strin­gent kul­tu­ra­lis­tisch ar­gu­men­tie­ren, be­wegt sich die FPÖ in einem Span­nungs­ver­hält­nis zwi­schen mo­der­ni­sier­ten For­men rechts­ex­tre­mer Po­li­tik und dem klas­si­schen völ­ki­schen Ras­sis­mus à la Möl­zer, Ro­sen­kranz und Co. Es ist wenig er­folg­ver­spre­chend für eine an­ti­fa­schis­ti­sche Kri­tik, nach­zu­wei­sen, dass Stra­che und die FPÖ Nazis sind. Ge­ra­de die mo­der­ni­sier­te Form rechts­ex­tre­mer Po­li­tik schafft es bes­ser, den Unmut über die herr­schen­de EU-​Po­li­tik ein­zu­fan­gen und in na­tio­na­lis­ti­sche Bah­nen zu len­ken, weil sie sich nicht so dumm ver­hält wie klas­si­sche Blut-​und-​Bo­den-​Na­zis. Indem sie so­zia­le Kon­flik­te auf ver­meint­lich se­riö­se Art in na­tio­na­le um­deu­tet, ver­brei­tert sie die ge­sell­schaft­li­che Basis für au­to­ri­tä­re Vor­stel­lun­gen und re­ak­tio­nä­re po­li­ti­sche „Lö­sun­gen“. Damit er­höht sie den Druck auf die eta­blier­ten Par­tei­en, das na­tio­na­le Stand­ort­in­ter­es­se noch ag­gres­si­ver durch­zu­set­zen. Was es des­halb braucht, ist eine an­ti­fa­schis­ti­sche In­ter­ven­ti­on, die na­tio­na­lis­ti­sche An­ge­bo­te rech­ter Par­tei­en in Eu­ro­pa de­le­gi­ti­miert und gleich­zei­tig Per­spek­ti­ven jen­seits von Spar­pro­gram­men, so­zia­len Kür­zun­gen, Lohn­dum­ping und Wett­be­werbs­po­li­tik auf­zeigt.

Un­se­re Al­ter­na­ti­ve: Ka­pi­ta­lis­mus ab­schaf­fen!
Es gibt durch­aus Al­ter­na­ti­ven zur grau­sa­men Rea­li­tät des eu­ro­päi­schen Ka­pi­ta­lis­mus und der au­to­ri­tä­ren EU-​Po­li­tik, die nicht auf Aus­gren­zung, Na­tio­na­lis­mus, Ras­sis­mus und Se­xis­mus bauen. In den letz­ten Jah­ren haben eine Reihe von so­zia­len Be­we­gun­gen in Eu­ro­pa und dar­über hin­aus deut­lich ge­macht, dass sie vom Leben mehr er­war­ten als Ar­beit unter schlech­ten Be­din­gun­gen, bei schlech­ter Be­zah­lung und man­geln­der so­zia­ler Ab­si­che­rung. Auch haben diese Be­we­gun­gen immer wie­der ge­zeigt, dass sie unter Selbst­be­stim­mung an­de­res, als ein­mal in vier Jah­ren die Stim­me ab­zu­ge­ben. Es gab mit M31 und Block­u­py Ver­su­che, eine grenz­über­grei­fen­de Ver­net­zung der eman­zi­pa­to­ri­schen Kräf­te die­ser Be­we­gun­gen zu schaf­fen. Daran knüp­fen nun die in­ter­na­tio­na­len Ak­ti­ons­ta­ge im Mai an. Für die an­ti­fa­schis­ti­sche Linke ist weder der Staat noch die Na­ti­on eine Al­ter­na­ti­ve. Un­se­re Al­ter­na­ti­ve heißt Ka­pi­ta­lis­mus ab­schaf­fen!

Time to act
Unser Vor­schlag an die an­ti­fa­schis­ti­sche Linke ist daher denk­bar ein­fach: Nut­zen wir die in­ter­na­tio­na­len Block­u­py-​Ak­ti­ons­ta­ge im Mai und den Eu­ro­pa­wahl­kampf, um rech­te Ak­teu­re wie die FPÖ oder die „Iden­ti­tä­ren“ zu mar­kie­ren, ihre na­tio­na­lis­ti­schen An­ge­bo­te zu de­le­gi­ti­mie­ren und so­li­da­ri­sche Per­spek­ti­ven auf­zu­zei­gen. Ma­chen wir den Zu­sam­men­hang zwi­schen der au­to­ri­tä­ren Kri­sen­ver­wal­tung der „Mitte“ und dem Rechts­ruck in Eu­ro­pa deut­lich. Er­tei­len wir den un­ter­schied­li­chen Va­ri­an­ten na­tio­na­ler In­ter­es­sens­po­li­tik und ras­sis­ti­scher Hetze eine nach­hal­ti­ge Ab­sa­ge. Zei­gen wir, dass eine an­de­re Welt als bes­se­re mög­lich ist: ein gutes Leben für alle, jen­seits staat­li­cher Gren­zen, na­tio­na­lis­ti­scher Spal­tun­gen und den Ver­wer­tungs­zwän­gen des Ka­pi­tals.

Im Rah­men der …ums­Gan­ze!-​Kam­pa­gne rufen wir dazu auf, den Auf­marsch der „Iden­ti­tä­ren Be­we­gung“ am 17.​05.​2014 in Wien zu ver­hin­dern!

Wei­te­re Ter­mi­ne fin­det ihr am Kam­pa­gnen-​Blog: antifa.​blockupy.​org

Extremismustheorie in der Kleinen Zeitung

In der „KleineZeitung“ wurde eine Passage eines Textes aus unserem Blog unter dem Titel „So krass denken manche Kärnten“ veröffentlicht.

Zunächst einmal ist es sehr schön zu sehen, dass wir nicht völlig in Vergessenheit geraten sind, und wie heißt es so schön: Jede Presse ist gute Presse… Jedoch ist dieser Artikel ein perfektes Beispiel für die sogenannte „Extremismustheorie“:

Wenn von Extremismus gesprochen wird, steckt dahinter meistens eine Vorstellung, die die Mitglieder der Gesellschaft in einer Art Hufeisen anordnet: Vermittelt wird, dass eine politische Mitte der Gesellschaft existiert, die sich von diesen Extremen klar abgrenzen lässt.
In der Mitte werden diejenigen gesehen, die sich gemäß der „freiheitlichen demokratischen Grundordnung“ (FDGO), also im Sinne des Grundgesetzes unauffällig, „gut“ und „normal“ verhalten. An den Rändern hingegen werden diejenigen verortet, deren Ansichten oder Handlungen grundsätzlich etwas an der bestehenden Gesellschaftsordnung ändern wollen. Eine Differenzierung nach Einstellungen und politischen Zielen erfolgt nicht.

Diese klare Aufteilung verharmlost Rassismus, Antisemitismus und andere Ungleichwertigkeitsideologien, die sich durch alle(!) gesellschaftlichen Bereiche ziehen, oder blendet sie gänzlich aus. Zudem werden linke Gesellschaftskritik und antifaschistischer Widerstand mit dem Denken und Handeln von Nazis gleichgesetzt. Verkannt wird dabei unter anderem, dass die Gefahr, Opfer eines Naziübergriffs zu werden, dort wesentlich geringer ist, wo sich linksalternative Kulturprojekte, antifaschistische und andere Gruppen gegen Nazis, rassistische Gewalt und Diskriminierung einsetzen. Das Modell übersieht, dass rassistische und andere menschenverachtende Einstellungen, die nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sind, auch in der „Mitte“ der Gesellschaft weit verbreitet sind: Große Teile der Bevölkerung befürworten z.B. nationalistische und antisemitische Aussagen. Dadurch, dass das Problem aber an den Rand zu den „RechtsextremistInnen“ gedrängt wird, wird Rassismus inmitten der gesellschaftlichen „Mitte“ als ernst zu nehmendes Problem verharmlost oder gar verschwiegen.

Das Extremismusmodell kriminalisiert Menschen, die sich gegen Nazis und menschenverachtende Einstellungen engagieren, die für eine Welt ohne Ausbeutung von Mensch (und Natur) einstehen und verharmlost gleichzeitig Rassismus und Nationalismus, sowohl in organisierten Strukturen als auch inmitten der Gesellschaft und des Alltags. Der Extremismusbegriff wird somit auch zum politischen Kampfbegriff.

mehr Infos findet ihr hier:
http://strassenauszucker.blogsport.de/2010/05/12/ziemlich-extrem/
http://linksextremistin.wordpress.com/hintergrund/extremismustheorie/

Wien : Soli-Demo „Freiheit für Josef! Freiheit für Alle!“

Sa. 26.April 2014 13Uhr, Landesgericht Wien
Wien : Soli-Demo „Freiheit für Josef! Freiheit für Alle!

Nach drei Monaten sitzt der Antifaschist Josef noch immer in Untersuchungshaft. Laut Richter soll es so bis zum Prozessbeginn bleiben, der laut Medienberichten nicht vor Ende Mai stattfinden wird. Am 26. April wird es deshalb wieder eine Soli-Demo für Josef. geben.

Überlegt euch Aktionen, kommt mit Transparenten und seid kreativ!

ENOUGH IS ENOUGH!

More info:
http://soli2401.blogsport.eu

jopsef

Tag X wird zum 4. Juni: Aufmarsch von Burschenschaften, FPÖ und Nazis verhindern!

Wo und wann der ebenfalls am 4. Juni geplante Aufmarsch der Korporierten stattfinden wird, ist noch unklar. Eine Abendveranstaltung der burschenschaftlichen “Forschungsgesellschaft Revolutionsjahr 1848″ ist aber mal Protestgrund genug:

Auf der Podiumsdiskussion zum Thema ,Die Grenzen der Freiheit – Metternich 2.0‘ diskutieren unter Anderen der Grüne Peter Pilz (!) mit einschlägigen Rechtsextremen wie dem Olympen Harald Stefan.

Harald Stefan ist einschlägig bekannt – um nur einen seiner grausligen Aussagen an dieser Stelle zu zitieren.: „Ich mache einen Sekt auf, wenn der israelische Botschafter nicht mehr in Wien ist.“ (Der Spiegel (41/08, S. 143)).

Wir sagen: Mit Rechtsextremen reden wir nicht – talking is over!

Kein Mal und nie wieder! Das ‘Fest der Freiheit’ unmöglich machen.

Mehr Infos gibt es hier!

Kein Mal und nie wieder!

Gegen das „Fest der Freiheit“
Anfang Mai 2014 wollen die Burschenschaften des Wiener Korporationsrings (WKR) zusammen mit der FPÖ einen Marsch durch die Wiener Innenstadt abhalten. Unter dem Motto „Fest der Freiheit“ wird Bezug auf das Revolutionsjahr 1848 genommen und mit dem eigens für dieses Event eingerichteten Verein „Forschungsgesellschaft Revolutionsjahr 1848“ versucht, Burschenschaften als freiheitsliebende Revolutionäre, die für Menschenrecht und Meinungsfreiheit eingestanden hätten, darzustellen. Diese Strategie ist keineswegs neu: Seit ihrer Wiederzulassung zu Beginn der 1950er Jahre versuchen deutschvölkische Korporationen vor allem aufgrund ihrer nationalsozialistischen Verstrickungen, einen Legitimationsdiskurs zu etablieren, der voller Lügen, Auslassungen und Halbwahrheiten ist.

Als Organisator des Spektakels, wie auch als Vorstand des oben genannten Vereins, scheint Gerhard Schlüsselberger auf. Gerhard Schlüsselberger war Bundesgeschäftsführer des Rings Freiheitlicher Studenten (RFS), ist FPÖ-Mitglied und Alter Herr der neonazistischen Burschenschaft aB! Olympia. Schon in der Vergangenheit organisierte er als Vereinsvorstand des Rings volkstreuer Verbände (RVV), zusammen mit dem WKR das rechtsextreme Totengedenken am 8. Mai, wo ganz unverhohlen dem Nationalsozialismus hinterher getrauert wurde und die Verbrechen des NS-Regimes relativiert bzw. ausgeblendet wurden. Schlüsselberger, der sich in den Medien als aufrechter Demokrat darstellt, der für Presse- und Meinungsfreiheit eintritt, zeigte in einem Leserbrief, der im Organ der deutschen Burschenschaft „Burschenschaftliche Blätter“ 2009 veröffentlicht wurde, wes Geistes Kind er ist. In diesem völkischen Erguss phantasiert er von „einer Ausländerflut biblischen Ausmaßes“ der die „Deutschen Länder“ ausgesetzt seien. Dass Wörter wie „Volk“, „Heimat“, „Abstammung“ und „Rasse“ so negativ besetzt seien, lastet er den „Umerziehern“ an und versucht sich selbst als Rassentheoretiker, indem er konstatiert, dass es „wissenschaftlich erwiesen [ist], daß es große Unterschiede zwischen den Menschen aufgrund ihrer biologischen Abstammung gibt“. Als Werturteil will er dies aber nicht verstanden wissen. Stattdessen träumt er von der „Volksgemeinschaft“ und dem großdeutschen Reich. Schlüsselberger zeigt sich erschüttert, dass „das Deutsche Volk nach wie vor in verschiedenen Staaten leben muss“, räumt aber ein, dass er seine Energie jetzt noch nicht der Rückeroberung der „Ostgebiete“ widmen will, sondern der Kampf gegen die „Überfremdung“ durch „Rückführung der Fremden“ und eine Steigerung der „eigenen Geburtenrate“ für ihn gerade Priorität hat.

Wenn deutschnationale, rassistische Männerbunde zum Marsch durch die Wiener Innenstadt aufrufen, sollte das für Antifaschist_innen Grund genug sein, um auf die Straße zu gehen und den Burschis das Fest zu vermiesen.

1848 und burschenschaftliche Legenden
In Kontrast zur gängigen Darstellung des Revolutionsversuches von 1848 als Sternstunde des Liberalismus, die die heutigen Korporationen als Erbwahrer der Pioniere der Demokratie in Österreich eingesetzt habe, räumt Corpsbruder Andreas Mölzer ein, dass dabei wesentliche Teile der Studentenschaft dem Gedanken des „Vorrang[es] der Einigung Deutschlands gegenüber einer Verfassung für Österreich“ – also des Nationalismus vor Demokratie und bürgerlichen Rechten – anhingen. Die maßgeblich auf Friedrich Ludwig Jahn („Haß alles Fremden ist des Deutschen Pflicht“) zurückgehende Gründung der Urburschenschaft in Jena (1815) ist als Gegenreaktion auf den drohenden revolutionären Sturm zu begreifen. Wenn sich Burschenschafter heute in die Tradition der bürgerlich-demokratischen Revolution stellen, beziehen sie sich auf jene liberale Position, gegen welche die „Urburschenschaft“ gerade gegründet wurde. Im völkischen Zentralorgan „Aula“ wird sogar in geradezu erfrischender Ehrlichkeit die Frontstellung der Burschenschaften zum „jakobinisch-freimaurerischen Gedankengut der französischen Revolution“ hervorgehoben. Nach Auschwitz dient diese Legende vor allem dazu, von ihren wirklichen Traditionslinien abzulenken: Korporierte waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts an jeder blutigen antidemokratischen Erhebung in der Weimarer und Ersten Republik maßgeblich beteiligt: Kapp-Putsch 19201, „Marsch auf die Feldherrhalle“ 19232, Juliputsch 19343 usw.

Der Einheitsstaat, der nicht als Nation politisch hergestellt werde, sondern aus der natürlichen Wesenheit „Volk“ erwachse, war von Anfang an verbunden mit der Abgrenzung von Feinden: im Inneren von Jüdinnen und Juden, im Äußeren von Frankreich. Gleichzeitig erwuchs insbesondere unter der akademischen Jugend aus der enttäuschten Hoffnung auf staatliche Einigung des „deutschen Volkes“ jenes rebellische Ressentiment gegen die adelige Obrigkeit, das bis heute mit revolutionärem Freiheitsdrang verwechselt wird. Diese kollektive Enttäuschung der Studenten, die in „Freikorps“ gegen die französischen Truppen gezogen waren und sich danach in Burschenschaften organisierten, verschaffte sich 1817 am Wartburgfest erstmals Luft. Das Treffen im Andenken an die Schlacht bei Leipzig und die Lutherische Reformation wurde von Jahn, diesem „ersten SA-Mann“, wie ihn Herbert Marcuse bezeichnete, initiiert und gipfelte in der ersten deutschen Bücherverbrennung. Dabei kommt die spezifische Verbindung von romantischem Freiheitsdrang, nationalem Einigungswunsch, antidemokratischem Gemeinschaftsdünkel und völkischem Reinheitswahn zum Ausdruck. Entgegen aller korporierten Legenden war der Antisemitismus also von Anfang an fixer Bestandteil burschenschaftlichen Lebens. Bereits die „Urburschenschaft“ bestimmte, dass „nur ein Deutscher und Christ“ Mitglied werden dürfe. Bei der Vereinigung der bereits bestehenden Burschenschaften zur Allgemeinen Deutschen Burschenschaft (1818) stritt man um den „Arierparagraphen“. Dieser fand 1820 am geheimen Burschentag in Dresden eine Mehrheit.

Die letztendlich siegreiche völkische Traditionslinie, in welcher die Burschenschafter bis heute stehen, führte also nicht, wie es die burschenschaftliche Legendenbildung glauben machen will, in die bürgerliche oder demokratische, sondern in die antisemitische „Revolution“. „Die Kombination von antifranzösisch und antisemitisch, antirevolutionär und antitraditionell in der deutschtümelnden Ideologie ist der Nukleus der späteren nationalsozialistischen Exzesse,“ so Detlev Claussen in „Grenzen der Aufklärung“.

Freiheit und regressive Kollektivität
Schon alleine die bürgerliche Freiheit ist ein weitaus unangenehmerer Sachverhalt, als ihr guter Ruf zu wünschen lässt. Die individuelle Freiheit der vereinzelten Einzelnen bedeutet in der kapitalistischen Gesellschaft die Freiheit zum Hauen und Stechen in der Konkurrenz. Herrschaft und Ausbeutung im Kapitalismus vollzieht sich nicht primär entgegen Recht und Demokratie, sondern innerhalb dieser Formen. Allgemeine Ohnmacht durch allgemeine Freiheit – das ist das Paradox und Kennzeichen der Welt von Staat und Kapital. Dass gerade staatlich garantierte Freiheit die Quelle von Unfreiheit und Ohnmacht sein soll, ist erklärungsbedürftig. Schließlich beansprucht der bürgerliche Staat ja gerade mit seinem allgemeinen Recht, die Freiheit jedes und jeder Einzelnen mit der Freiheit aller anderen zu versöhnen und so insgesamt größtmögliche Freiheit zu verwirklichen. Die staatliche Garantie allgemeiner Freiheit bewahrt diese ›Einzelnen‹ nicht nur vor unrechtmäßigen Übergriffen. Die allgemeinen Gesetze, das bürgerliche Recht, befreite die Menschen aus persönlicher Herrschaft. Doch unterjocht wurden sie einem viel umfassenderen Zwang: dem unaufhörlichen Zwang zur gesellschaftlichen Konkurrenz als vereinzelte Individuen, dem Zwang zur Selbstverwertung und zur Ausnutzung anderer. Die allgemeinen Gesetze – die des Rechts und die der Warenproduktion – entfalten als unpersönliche Herrschaft einen stummen Zwang, der dem freien Menschen zur zweiten Natur wurde. Als „doppelt freie Lohnarbeiter“ (Marx), frei von persönlicher Herrschaft, aber auch frei von Eigentum, sind sie gezwungen ihre Ware Arbeitskraft zu verkaufen, um zu überleben. Die formelle Freiheit und Gleichheit der Individuen sichert so die materielle Unfreiheit und Ungleichheit der Menschen.

Auf diese Bedrohungslagen, Ohnmachtserfahrungen und Ängste antwortet der Nationalismus, der nicht nur bei Burschenschaften und Nazis zum Ausdruck kommt, sondern eine „objektive Gedankenform“ (Marx) von Gesellschaften ist, die unter den Herrschaftsimperativen des Staates und den Verwertungsimperativen des Kapitals stehen. Ideologien kollektiver Identität bieten Schutz vor den alltäglichen Zwängen der Konkurrenz und haben als ideologischen Ertrag den Anspruch und die Gewissheit unverbrüchlicher Zusammengehörigkeit. Daraus werden nationale Privilegien abgeleitet und „die Anderen“ sozial ausgegrenzt.

Burschenschaften stellen eine besonders widerliche Form regressiver Kollektivität dar. Sie verraten die individuelle Freiheit zugunsten der des „Volkes“ und des „Bundes“. Gerade die Mensur als Erziehungsinstrument für Opferbereitschaft und Unterordnung verdeutlicht diesen Antiindividualismus von völkischen Verbindungen. Diese Dressur der Härte gegen das eigene Selbst dient in erster Linie der Unterordnung des Einzelnen unter das Kollektiv. Damit belegt man die Bereitschaft sogar die körperliche Integrität für die Gemeinschaft zu opfern. Dieser Auslöschung der eigenen Person entspricht auf ideologischer Ebene der Antiindividualismus, die rationalisierte Furcht vor der Freiheit. Das geringgeschätzte Individuum hat sich voll und ganz den Interessen des Bundes und des Volkes zu unterwerfen. So wenden sich etwa die Wiener Olympen „gegen die übersteigerten individualistischen und weltbürgerlichen Tendenzen der Aufklärung.“ Diesen setzt man den „Gemeinschafts-Mythos“ entgegen. Adorno schreibt zu diesem Erziehungsideal der Härte in „Erziehung nach Auschwitz“: „Die Vorstellung, Männlichkeit bestehe in einem Höchstmaß an Ertragenkönnen, wurde längst zum Deckbild eines Masochismus, der – wie die Psychologie dartat – mit dem Sadismus nur allzu leicht sich zusammenfindet. Das gepriesene Hart-Sein, zu dem da erzogen werden soll, bedeutet Gleichgültigkeit gegen den Schmerz schlechthin. Dabei wird zwischen dem eigenen und dem anderer gar nicht einmal so sehr fest unterschieden. Wer hart gegen sich ist, erkauft sich das Recht, hart auch gegen andere zu sein, und rächt sich für den Schmerz, dessen Regungen er nicht zeigen durfte, die er verdrängen mußte.“

Kommunsimus statt Deutsch-Österreich!
Für die deutschen Burschen bedeutet Freiheit also Unterordnung unter das (nationale) Kollektiv und vor allem Freiheit vor den Anderen, den Fremden. Diesen regressiven Kollektivismus, der ohne Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Frauenhass nicht zu haben ist, setzen wir nicht das bürgerliche Freiheitsideal entgegen. Die bürgerliche Individuationsform zwingt die Einzelnen zu einer permanenten Herausstellung der eigenen Alleinstellungsmerkmale. Um den Sieg in der Konkurrenz zu erringen, gilt es im falschen Bewusstsein der eigenen Souveränität besser – und individueller – zu sein als alle anderen. Die sich souverän wähnenden Einzelnen, sehen sich jedoch zugleich der Schwierigkeit gegenüber, die Erfahrungen von Abhängigkeit, Ausgeliefertheit, Ohnmacht und Passivität, die ihre Lebensführung im kapitalistischen Alltag maßgeblich begleiten, in ihre Welt- und Selbstbegegnung zu integrieren. Diese Erfahrungen eigener Ohnmacht und Ausgeliefertheit, der eigenen Wert- und Bedeutungslosigkeit bei gleichzeitiger Proklamation individueller Souveränität, bilden dabei allzu häufig die Grundlage für Motivationszusammenhänge, die zum Kollektiv drängen. Die bürgerliche Individuationsform ist fragil: entweder isolierte Konkurrenzförmigkeit oder regressive Kollektivierung. Der Gegenpol zur regressiven deutschen Kollektivierung wie zur bürgerlichen Freiheit wäre in der „freien Assoziation freier Individuen“ (Marx) zu suchen. Wir sind uns nach Auschwitz bewusst, dass es etwas weitaus schlimmeres als Demokratie gibt, und trotzdem: Die Freiheit die wir meinen heißt Kommunismus!

Mai 2014, Tag X – Aufmarsch von Burschenschaftern, FPÖ und Nazis verhindern!

Mehr Infos findet ihr hier

Grüße von Josef aus dem Knast


Viele Grüße an alle solidarischen Unterstützer*innen!

Danke für eure zahlreichen Solidaritätsbekundungen, die den Aufenthalt im Gefängnis erträglicher machen. So bin ich zwar alleine in Haft, aber ich bin auf keinen Fall einsam.

Diesmal hat es mich getroffen, aber jede*r der/die gegen den Akademikerball protestiert hat, könnte jetzt statt mir in Untersuchungshaft sitzen. Staatliche Behörden versuchen immer wieder, antifaschistische Proteste zu kriminalisieren. Antifaschismus ist eben mehr als gegen Nazis sein und der Bau von Gedenkstätten und Mahnmalen. Er beinhaltet auch die Kritik an in allen Gesellschaftsschichten weit verbreiteten rassistischen, sexistischen und antisemitischen Meinungen. Auch das Aufrechterhalten einer aktiven Erinnerungspolitik ist ein wichtiger Bestandteil antifaschistischen Handelns, z.B. die Umsetzung des Schwures von Buchenwald: „die Auslöschung des Nazismus mit all seinen Wurzeln“ als Konsequenz der Vernichtungspoltiik des NS-Regimes. Da diese Meinung doch stark von der mehrheitlich vertretenen abweicht, versuchen Polizei und Justiz, Antifaschst*innen zum Schweigen zu bringen, damit niemensch den ausgrenzenden Konsens der bürgerlichen Gesellschaft stört.

Auch andere Unangepasste erfahren behördliche Verfolgung, z.B. die Aktivist*innen des Refugeeprotest Wien, da diese mit ihren Handlungen die öffentliche Ordnung infrage stellen und auf gesellschaftliche Probleme hinweisen, über die die Meisten lieber schweigen. Daher ist es wichtig, in Zeiten der ökonomischen Krise, wo sozialchauvinistische Hetze und Rechtspopulist*innen Hochkunjunktur haben, aufzustehen und sich gegen Diskriminierung einzusetzen.

Unterstützt also lokale Strukturen wie selbstorganisierte Gruppen, Jugendorganisationen wie die Falken oder andere antifaschistische Gruppen und seid auch über Grenzen hinweg solidarisch!

Lasst euch nicht einschüchtern und passt aufeinander auf!

Siamo tutti Antifascisti!
Freiheit für alle Gefangenen !
Freundschaft – Josef

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