Archiv für August 2014

Zeitzeuginnengespräch mit Romana Verdel & Antifaschistischer Stadtspaziergang durch Klagenfurt/Celovec

ZEITZEUGINNENGESPRÄCH MIT ROMANA VERDEL

Die Kärntner Slowenin Romana Verdel überlebte nur durch Zufall als sogenanntes „Banditenkind“, wie die Nazis Kinder von PartisanInnen bezeichneten, den Krieg. Weil ihre Familie engen Kontakt zu den PartisanInnen hatte, wurden sämtliche Angehörige von der Gestapo „abgeholt“. Da Verdel selbst sich gerade am Nachbarhof befand, konnte sie der Verschleppung entgehen, musste jedoch kurz darauf zu den PartisanInnen gebracht werden, da ihre Nachbarin sie nicht dauerhaft verstecken konnte. Während des Krieges verlor sie 13 Familienangehörige. Im ZeitzeugInnengespräch wird sie von ihrer Kindheit an der Seite der PartisanInnen in Wäldern und Bunkern erzählen.

▼ Beginn: 14:00 Uhr // Volkshaus/Ljudski dom Klagenfurt/Celovec, Südbahngürtel 24

ANTIFASCHISTISCHER STADTSPAZIERGANG DURCH KLAGENFURT/CELOVEC

Im überschaubaren Raum der Kärntner/Koroške Landeshauptstadt muss nicht weit spucken, wer ein Denkmal treffen will. Mit dem antifaschistischen Stadtspaziergang möchten wir einen kritischen Blick auf die Klagenfurter Denkmallandschaft werfen und dazu einladen, sich mit der großteils “vergessenen” nationalsozialistischen Geschichte und deren Konitunitäten bis heute auseinander zu setzen. Die Kärntner Geschichtsschreibung ist bis heute extrem deutschnational geprägt und wird von Antislawismus dominiert. Den zentralen Bezugspunkt stellt hier der so genannte “Kärntner Abwehrkampf ” dar: ein nach dem Ersten Weltkrieg nicht unüblicher Grenzkonflikt führte zu einer Volksabstimmung, bei der sich die Mehrheit der Menschen im umstrittenen Gebiet Südkärntens – meist aus wirtschaftlichen Gründen – am 10. Oktober 1920 für den Verbleib bei Österreich entschieden. Die antislawischen Ressientiments und die deutschnationale Ideologie boten einen fruchtbaren Boden für bald darauf entstehende nationalsozialistische Organisationen in Kärnten/Koroška. So stellt auch der “Anschluss” 1938 keine besondere Zäsur in der Kärntner Geschichte dar, für die schon großteils in den Nazis nahestehenden deutschnationalen Organisationen aktiven BürgerInnen bildete der Nationalsozialismus eine logische Kontinuität. Eine Kontinuität die auch nach der Befreiung durch die Alliierten 1945 fortgesetzt wurde: Bereits in den 1950er Jahren wurden viele der ehemaligen NationalsozialistInnen rehabilitiert und fanden sich in gesellschaftlich und politisch angesehenen Positionen wieder. In diese Zeit fällt auch die Errichtung vieler revisionistischer Denkmäler, die an die “Opfer” des Zweiten Weltkrieges – auf nationalsozialistischer Seite – erinnern. An die Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes wird im Gegensatz dazu kaum erinnert. Die meisten dieser wenigen Denkmäler wurden nach oft jahrelangem Kampf von antifaschistischen Initiativen errichtet. Bis heute werden antifaschistische Denkmäler angegriffen und pompöse Feiern vor deutschnationalen Symbolen veranstaltet.

Mit dem antifaschistischen Stadtspaziergang wollen wir die TäterInnengeschichte, die ihre Opfer stets ausklammert, dort thematisieren, wo sie sich in Stein gehauen präsentiert. Wir wollen auf jene Orte aufmerksam machen, die der Opfer gedenken, und uns an die Verbrechen erinnern und dadurch eins verhindern: dass sie je vergessen werden!

▼ Treffpunkt: 16:30 Uhr // Volkshaus/Ljudski dom Klagenfurt/Celovec, Südbahngürtel 24

--------------------------------------------------------------------------

Die Veranstaltungen finden im Rahmen des ANTIFASCIST SUMMERCAMP 2014 statt. Informationen dazu finder ihr hier:

▼ http://antifasummercamp.blogsport.at/
▼https://www.facebook.com/events/740502546006683/

hjzfif

SOMMER. SONNE.ANTIFA. ANTIFA SUMMERCAMP

thdfdh

Das Antifaschist Summercamp findet heuer von 2. bis 7. September in Dobrla Vas, Koroška statt.

Programm

Dienstag 02.09.2014

Anreise/Ankunft

Abends: Filmscreening/Antirep-Workshop (Details folgen)

Mittwoch 03.09.2014

11:00 Uhr:

„Jetzt ist Schluss mit Trallalla …“
Workshop zum Sinn und Unsinn von Parolen

antifa-nt, München

Parolen gehören mit zum Wahrnehmbarsten von dem was wir als Linke so von uns geben – egal ob auf Demos oder Kundgebungen skandiert, auf Transparente und Klokacheln gepinselt oder auf Konzerten und Parties gegrölt. Allerdings haben wir den Eindruck dass es trotz dieser Verbreitung wenig kollektive Debatte über Form und Inhalt davon gibt.
In diesem Workshop wollen wir gemeinsam darüber diskutieren, warum wir als radikale Linke überhaupt Parolen rufen, welche Inhalte sich darüber vermitteln lassen und welche eher nicht und auch der Frage nachgehen, wann und wo manche Aussprüche eher weniger Sinn machen könnten als andere.

14:00 Uhr:

Die Deut­sche Bur­schen­schaft – Völ­ki­sches Den­ken zwi­schen Kon­ser­va­ti­vis­mus und ex­tre­mer Rech­ter
Gruppe Gegenstrom (…umsGanze!, Göttingen)

Seit Jahrzehnten fallen Burschenschaften der Deutschen Burschenschaft durch rassistische und nationalistische Äußerungen auf, trotzdem scheinen sie gesellschaftlich akzeptiert. Die Deutsche Bundesregierung bezeichnete die DB erst im Juli 2013 wieder als “eine demokratische Studentenorganisation”. Gute Verbindungen besitzt der Dachverband sowohl ins konservative als auch ins extrem Rechte Lager. Neben diversen deutschen Politikern der CDU/CSU und österreichischen FPÖ-Abgeordneten, sind auch die sächsischen NPD Abgeordneten Gansel und Schimmer Mitglied in einer DB-Burschenschaft. Nach weiteren rassistischen Vorfällen verließen im letzten Jahr zahlreiche “konservative” Verbindungen den Dachverband.

Die ReferentInnen der Gruppe Gegenstrom aus Göttingen legen in dieser Veranstaltung den inhaltlichen Schwerpunkt auf das völkisch-rassistische Denken in der Geschichte und Gegenwart der DB. Sie wollen aufzeigen, dass die rassistischen und nationalistischen Vorfälle der letzten Jahre einer Tradition entstammen, die 200 Jahre bis zur Gründung der ersten Burschenschaften zurückreicht. Des weiteren sollen die Weltanschauungen der ausgetretenen, konservativen Verbindungen betrachtet werden, denn die Unterschiede zur völkischen Fraktion liegen hier nur im Detail.

18:00 Uhr:

Nationale Befreiung oder Befreiung von der Nation?

Thorsten M. (Jungle World, Konkret)

Wenn man die alltägliche Gewalt und die historischen Massengräber des Nationalismus betrachtet, verwundert es, dass es auch heute noch linke Bewegungen gibt, die im Nationalismus das Instrument zur Befreiung sehen. Tatsächlich stand – im bürgerlichen Sinne – hinter dem Konzept der Nation historisch auch eine emanzipatorische Idee: Es ging es darum, Untertan_innen unabhängig von Herkunft und Stand zu gleichen und freien Subjekten zu machen, die sich im freiwilligen Zusammenschluss eine rationale politische Ordnung geben. Bekanntermaßen ist daraus nichts geworden. Stattdessen wurde das revolutionäre Element des Nationalismus für die demokratische Transformation der Gesellschaft schon bald von kulturalistischen und rassistischen Grenzziehungen im Namen der Nation verdrängt. Nationalismus wurde zur ideologischen Grundlage für die Legitimation des Ausschlusses und der Gewalt gegenüber den „Anderen“. Als Zwangskollektiv lässt das Konstrukt der Nation dabei auch die „Eigenen“ nicht in Ruhe. Diese Entwicklung liegt in der Sache selbst begründet. Nationalismus stellt keine Kritik an den herrschenden Verhältnissen dar – sondern ist selber ein Teil von ihnen.

In dem Vortrag wird es um Geschichte und Funktion des Nationalismus gehen, mit Fokus auf die (vermeintlich) linken Varianten und ‘Nationalen Befreiungsbewegungen’. Dabei ergeben sich viele Fragen: Wer soll hier eigentlich von wem befreit werden? Hat revolutionärer Nationalismus mit der Einrichtung der Nationalstaaten nicht sein Emanzipationsversprechen verloren? Was bedeutet es, wenn baskische Kommunist_innen und deutsche Nazis beide ein „Europa der freien Völker“ fordern?

Thorsten M. ist freier Autor (Jungle World, Konkret) und beschäftigt sich mit der Frage, warum sich der Kampf um Befreiung so oft gegen die Befreiung wendet. In seiner Promotion untersuchte er die linksnationalistischen Bewegungen in Katalonien und im Baskenland aus einer ideologiekritischen Perspektive.

Donnerstag 04.09.2014

14:00 Uhr:

Zeitzeuginnengespräch mit Romana Verdel in Klagenfurt/Celovec

Die Kärntner Slowenin Romana Verdel überlebte nur durch Zufall als sogenanntes „Banditenkind“, wie die Nazis Kinder von PartisanInnen bezeichneten, den Krieg. Weil ihre Familie engen Kontakt zu den PartisanInnen hatte, wurden sämtliche Angehörige von der Gestapo „abgeholt“. Da Verdel selbst sich gerade am Nachbarhof befand, konnte sie der Verschleppung entgehen, musste jedoch kurz darauf zu den PartisanInnen gebracht werden, da ihre Nachbarin sie nicht dauerhaft verstecken konnte. Während des Krieges verlor sie 13 Familienangehörige. Im ZeitzeugInnengespräch wird sie von ihrer Kindheit an der Seite der PartisanInnen in Wäldern und Bunkern erzählen.

Ort: tba.

16:30 Uhr:

Antifaschistischer Stadtspaziergang durch Klagenfurt/Celovec
(Aufruf folgt)

Freitag 05.09.2014

11:00 Uhr:

Die Staatsfrage stellen oder den Staat in Frage stellen? – Einführung in materialistische Staatskritik

In der Linken gehen die Interpretationen über den Staat weit auseinander: für die einen ist er Garant des Allgemeinwohls, anderen gilt er als das Instrument der kapitalistischen Klassenherrschaft und wieder andere sehen in ihm das Terrain sozialer Kämpfe. Mit der Veranstaltung wird eine Einführung in die verschiedenen Ansätze materialistischer Staatstheorie skizziert. Dabei werden die zentralen Thesen marxisitscher Theorie zum Begriff des Staates präsentiert: die instrumentelle Staatstheorie bei Lenin (Staat als Instrument der herrschenden Klasse), hegemonietheoretische Analysen des Staates bei Gramsci, Althusser und Poulantzas (Staat als materielle Verdichtung von Kräfteverhältnissen) sowie die Überlegungen von Paschukanis über das Verhältnis von Warenform, Rechtsform und Staatsform und die daran anknüpfende Staatsableitungsdebatte.

14:00 Uhr:

Sexarbeit. Umkämpfte Körper.

Nicht erst seit dem Buch von Alice Schwarzer: “Prostitution – Ein deutscher Skandal” wird die Frage der Sexarbeit und ihrer Regulierung wieder heiß diskutiert. Während vor allem Sexarbeiter_innen die Anerkennung ihrer Arbeit als „normaler“ Lohnarbeit fordern, beschreibt die andere Seite Sexarbeit als moderne Sklaverei und fordert staatliche Verbote und gesellschaftliche Ächtung. Der Workshop gibt Einblick auf Veränderungen in den Gesetzeslagen und Diskursen in Europa. Anschließend wollen diskutieren, ob Sexarbeit eine ganz normale Arbeit ist, oder, was sie von anderen Arbeitsformen unterscheidet. Das Kampffeld Sexarbeit soll vermessen werden. Kein Vorwissen nötig.

18:00 Uhr:

Sie schlittern wieder…
Ein Workshop eines Menschen von Straßen aus Zucker (Berlin)

Der Erste Weltkrieg, aktuelle geschichtspolitische Strategien und warum es auch für Linke lohnenswert ist, sich mit dem Krieg vor 100 Jahren zu beschäftigen. Bis vor einem Jahr hatte die in den 1960er Jahren entwickelte Forschungsposition, dass Deutschland im Verbund mit Österreich-Ungarn die Hauptschuld für den Ausbruch des Ersten Weltkrieg trage, noch wie ein befriedetes Terrain gewirkt. Seit Erscheinen des Bestsellers von Christopher Clark “Die Schlafwandler” geht in Deutschland und in verminderter Intensität auch in Österreich ein geschichtspolitischer Roll-Back vonstatten, der es in sich hat. Nun sind die Staaten wahlweise in den Krieg geschlittert, hat das politische Personal geschlafwandelt bishin, dass imperiale Ideologie nur in Frankreich, Rußland und Großbritannien am Werk gewesen sei. In dem Workshop sollen sich zuerst diese Debatte und die Hauptargumentationen angeschaut werden. In einem zweiten Teil soll dann der Frage nachgegangen werden, worin in einer Beschäftigung mit dem “Großen Krieg” von 1914-1918 der Mehrwert für eine linke Analyse besteht. Hier soll es vorrangig um die “nationale Frage” und ihre Beantwortung in der deutschsprachigen Arbeiter_innenbewegung und um die Leerstellen traditionsmarxistischer Imperialismus- und Kriegskritik gehen. Kein Vorwissen nötig.

Samstag 06.09.2014

11:00 Uhr:

Psychoanalyse und Gesellschaftskritik
(Ankündigungstext folgt)

14:00 Uhr:

Kritik der Austeritätspolitik
(Ankündigungstext folgt)

18:00 Uhr:

Begriffe von Gewicht. Patriarchat und heteronormative Matrix.
Antifaschistischer Frauenblock Leipzig

Patriarchat, heteronormative Matrix, Sexismus, Frauenunterdrückung – Begriffe, hinter denen sich verschiedene Konzepte von feministischer Gesellschaftskritik verbergen. Anstatt wilder und sinnfreier Wortjonglage wollen wir diese Konzepte offen legen und einer Kritik unterziehen. So wie sich die gesellschaftliche Realität verändert, wandeln sich auch die Begriffe, die zu ihrer Analyse herangezogen werden. »Patriarchat« gilt in manchen Kreisen als altbacken, verstaubt und dem Oldschool-Feminismus zugehörig. Dagegen kommt »heteronormative Matrix« für andere als abstrakter und unzugänglicher Szenejargon daher, der sich in queeren Zusammenhängen zwar großer Beliebtheit erfreut, für die Außenwelt, die Judith Butler nicht gelesen hat, aber eine leere Worthülse bleibt. Das Für und Wider und die Treffsicherheit der beiden Konzepte sollen diskutiert werden.

Termin noch unbekannt
Workshop: „Reform und Revolution“
KSV_LiLi

Die Frage nach „Reform“ und „Revolution“ zieht sich seit den Anfängen bürgerlicher Staatlichkeit durch die Debatten staatskritischer und/oder antikapitalistischer Bewegungen. Im Workshop soll einerseits den verschiedenen theoretischen Positionen und deren Entwicklung nachgegangen werden, andererseits sollen Implikationen für eine aktuelle Praxis gesucht werden. Ansätze folgender Theoretiker_innen können diskutiert werden: Marx, Engels, Lenin, Luxemburg, Gramsci, Poulantzas, Agnoli und Frigga Haug. Abschließend soll die Frage gestellt werden, ob eine „revolutionäre Realpolitik“ möglich ist und was deren praktische Implikationen sein könnten.

Termin noch unbekannt
Jugoslawische Erinnerungspolitik
(Ankündigungstext folgt)

Sonntag 07.09.2014

Aufräumen/Abreise

Wir freuen uns auf eine Woche mit euch voller Sommer, Sonne, Antifa!

Mehr Infos unter: http://antifasummercamp.blogsport.at/