Stellungnahme der Autonome Antifa Kärnten/Koroška zum Transparent „Tito hat`s bewiesen…“.

Das Transparent stammt nicht von unserer autonomen Gruppierung, trotzdem werden wir uns nicht davon distanzieren, im Gegenteil. Das provokative und nicht ernst gemeinte Transparent hatte einen bestimmten Zweck: Um etwas der Dämonisierung des antifaschistischen Widerstandes der Tito-Partisan_innen entgegen zuhalten und dabei den historischen Kontext nicht zu vergessen.

Der antifaschistische Widerstand in Kärnten/Koroška gehört zum wichtigsten und effektivsten Kampf gegen das nationalsozialistische Regime des Dritten Reiches. Denn auch wenn es Verbrecher der Tito-Partisan_innen gab, standen diese in dem Kontext der nationalsozialistischen Rassen- und Germanisierungspolitik, denen mehrere zehntausende Slowen_innen zum Opfer fielen. Die nationalsozialistische Politik gegenüber den Kärntner Slowen_innen ist eine Geschichte von Unterdrückung, Verfolgung, Deportation, Enteignung und des schrittweisen Verbots der slowenischen Sprache im gesamten öffentlichen Leben. Erst vor diesem Hintergrund werden die Widerstandstätigkeiten der slowenischsprachigen bzw. zweisprachigen Bevölkerung und der Kärntner Partisan_innen in vollem Umfang verständlich. Denn es waren die Widerstandskämpfer_innen, die – vor allem in Kärnten/Koroška – einen wesentlichen Beitrag zur Kapitulation des faschistischen Regimes leisteten.

Anstatt dem antifaschistischen Kampf Platz in der Öffentlichkeit zu geben, werden in Kärnten/Koroška Naziverbrechen verharmlost. Denkmäler für die Opfer der Partisan_innen sollen, in den Köpfen der Bevölkerung das Bild verfestigen, dass „heimattreue“ Soldaten gegen die „rote“ Gefahr aus dem Süden gekämpft hätten. Kärntens hegemoniale revisionistische Politik verletzt damit einen Artikel des österreichischen Staatsvertrages. Konkret handelt es sich um den Artikel 19, wonach Österreich verpflichtet ist, alle Gräber, Embleme und Denkmäler zu achten, schützen und zu erhalten, die dem Ruhm jener gewidmet sind, die auf österreichischem Staatsgebiet gegen Hitler-Deutschland gekämpft hatten. Somit ist das Recht auf Erinnerung vor und mit Partisan_innendenkmälern auch verfassungsrechtlich garantiertes und geltendes österreichisches Recht.

Die Einmaligkeit und das Ausmaß der NS-Verbrechen sowie ihre Fundierung im mörderischen Antisemitismus und Rassismus des Nationalsozialismus macht den großen Unterschied aus, der den antifaschistischen Kampf als Ganzes zu einem politisch richtigen und ethisch gerechtfertigten Kampf macht. Nur vor diesem Hintergrund lassen sich Übergriffe, Willkürakte und Grausamkeiten diskutieren, ohne das Geschäft der rechten Revisionist_innen zu betreiben. Sonst wird die angebliche „Aufarbeitung“ nur allzu schnell zur Geschichtsfälschung, die im schlimmsten Fall eine Aufrechnung nationalsozialistischer Verbrechen mit jenen „der anderen“ vornimmt, die Opfer des Nationalsozialismus ganz verschweigt oder – und das ist noch die „harmlosere“ Variante – verschiedene Verbrechen unter Ausblendung der ideologischen Grundlagen bezuglos nebeneinander stellt. In jedem Fall wird so „vergessen“ gemacht, dass einzig und allein der Nationalsozialismus und seine bereitwillige Unterstützung durch die deutsche und österreichische Bevölkerung die Ursache für alle Ereignisse der Nachkriegszeit waren.

Gerade Tom Sunic steht für diese geschichtsrevisionistische Täter-Opfer-Umkehr, deshalb wurde dieses provokante Transparent mitgeführt.

Ein weiterer Grund war, dass die rechtsextreme Ulrichsberggemeinschaft die Identitären in Schutz nahm und dabei sogar unkommentiert in den Medien über vermeintliche „Linksextreme“ hetzen könnte. Die Ulrichsberggemeinschaft organisierte über Jahrzehnte hinweg eines der größten europaweiten Treffen von Wehrmachts- und SS-Soldaten, bis antifaschistische Proteste diesem braunen Treiben ein Ende setzten. Zu den Gästen des Treffens zählten Vertreter der Waffen-SS-Kameradschaft IV und deren europäischer Kollaborationsverbände, Alt- und Neonazis, sowie Heinrich Himmlers Tochter Gudrun Burwitz. Die Leugnung und auch Verherrlichung von NS-Verbrechen, Täter-Opfer-Umkehr und die Glorifizierung von nationalsozialistischen Einheiten und Organisationen waren an der Tagesordnung.“